Vor drei Wochen machte ich mich mit meinem Mann auf den Weg ins Shoppingzentrum. Beim Eingang begrüssten mich vier Rentiere mit Schlitten in voller Leucht-Pracht. Ich hätte diese zu gerne gekauft, denn in meinem zurzeit kräuterlosen Steingarten würde das Gespann umwerfend aussehen. Der Preis jedoch liess mir das Blut in den Adern gefrieren, und das taute dann auch bei allem Gratis-Glühwein nicht mehr auf. Gespannt und voller Freude, mit breitem Lächeln und glänzenden Augen «tänzelte» ich auf der Rolltreppe hin und her, stürmte die letzten Stufen hoch und liess mich berauschen. Geschenkpapiere, Weihnachtskalender, Schneekugeln, Samichläuse, Holzelche, Kerzen, Christbaumkugeln und Schneesterne türmten sich vor mir auf. Alles glänzte, funkelte, leuchtete, blinkte und sprach zu mir «Kauf mich».

Mein Mann verdrehte bereits auf den ersten Metern die Augen und weigerte sich auch partout einen Einkaufskorb zu nehmen, denn dann hätte Frau ja zwei Körbe gehabt. Zwei Körbe gleich mehr Einkäufe, mehr Geld ausgeben, länger im Laden bleiben. Auf einem Tisch entdeckten wir dann singende Weihnachtsbären, Elche und Samichläuse. Es war zu verlockend, ein Kniff in deren Füsse und sie begannen unüberhörbar ihre verschiedenen Weihnachtslieder zu trällern.

Menschen drehten sich nach uns um, einige schüttelten ungläubig den Kopf und andere warfen uns böse Blicke zu. Uns war es egal, wir sangen mit und bewegten die Hüften dazu. Plötzlich stand eine alte Dame neben uns. Ihr herzliches Lachen war unbezahlbar und entschädigte mich für all die bissigen Kommentare, die in den nächsten Wochen folgen werden.

«Für wen bastelst du eigentlich einen Adventskranz?» «Schon wieder am Guetzli backen, du stehst ganz schön oft in der Küche!» «Warum brauchst du eigentlich einen Weihnachtsbaum, ist aber schon aus Plastik oder?» Schlussendlich zielen diese Bemerkungen immer in die gleiche Richtung. «Du hast keine Kinder, auch keine Patenkinder, für wen also so viel Aufwand?» Meine Antwort: «Ich liebe Weihnachten ». An die bissigen Kommentare habe ich mich gewöhnt. Ich bleibe standhaft, wie letztes Jahr beim Weihnachtsbaumkauf. Eine eindrückliche Nordmannstanne strahlte mich mit ihren perfekten Zweigen an. «Kauf mich, ich passe dann schon irgendwie in dein Wohnzimmer». Ich grub besitzergreifend meine Handschuhe in die Nadeln und mein Mann war schnell zur Stelle. «Der ist zu viel zu gross», meinte er mit einem Lächeln und der Vorahnung, dass Frau da nicht mit sich diskutieren lassen wird.

Eine Familie näherte sich und ich hörte den Vater: «Seht her, dieser ist wunderschön». Ich streckte meinen Kopf zwischen den Zweigen durch: «Der ist meiner». «Schade für uns, aber ihre Kinder werden sicher Freude haben». Ich lächelte und musterte skeptisch die Familie. Sympathischer Vater, zwei Teenager, der eine hörte Musik und starrte Löcher in die Luft, der andere war mit dem Natel beschäftigt und die Mutter schien einfach nur kalt zu haben. Da sie keine kleinen Kinder dabei hatten entschied ich mich für: «Wir haben keine Kinder, aber ich hab riesig viel Freude an dem Baum».

Der Vater lächelte und verschwand im Dickicht der Nadeln. Der Transport ging reibungslos von statten, nachdem wir den Baum vom Vordersitz über die Rückbank bis hinten in den Kofferraum gequetscht hatten. Wie von meinem Mann prophezeit war der Baum 10 cm zu gross, über den Umfang sprechen wir besser nicht. Jetzt mach ich mich auf den Weg und geh «Guetzlibüchsen » einkaufen, solange es noch Schöne gibt. Ich will ja vorbereitet sein, wenn Weihnachtskritiker und Liebhaber schon bald vor meiner Türe stehen und ihre leeren Büchsen mit meinen selbstgemachten «Guetzlis» füllen.

(Angela Suter, publiziert in: Anzeiger für das Oberfreiamt No. 49, 4.12.2009)