Nachdem drei Staffeln lang die Männer das Junggesellenschiff gesteuert hatten und die Sendung damit für mich mit jedem Kandidaten mehr an Reiz verloren hatte, war ich gespannt auf das aufgepeppte Format, wo „Weiblein“ die Zügel in der Hand hält. Ich habe nichts erwartet und alles bekommen! Man kann sich darüber streiten, wie konstruiert diese Sendereihe nun ist, was aber der Tatsache keinen Abbruch tut, dass sie sich ohne grosse Hirnanstrengung konsumieren lässt. Schlussendlich wird die „Bachelorette“ lustvoll als Gesprächsstoff bei „Weiberkränzchen“ augeschlachtet.

Schon im Vorspann meinte ich herauszuspüren dass es dieses Mal vielleicht wirklich witzig werden könnte, wenn Männer zu dem mutieren, was ihnen als Eigenschaft ihrer potenziellen Partnerin die Haare zu Berg stehen lässt, nämlich zur Zicke. „Endlich Gleichberechtigung!“, schrie ich nach zehn Minuten begeistert durchs Wohnzimmer. Meine bessere Hälfte schreckte aus dem Dämmerschlaf hoch, sah mich verwirrt an, und obwohl der Ärmste nicht darum gebeten hatte, drückte ich ihm meine gedanklichen Ergüsse aufs Auge. „Es ist eine Genugtuung, dass nach drei Jahren die Chance besteht, dass sich nun zwanzig gestandene Typen im Abendprogramm zum Affen machen.“ Stirnrunzeln war seine Art, mir klar zu machen, dass er diese Bemerkung überhaupt nicht witzig fand. Mehr oder weniger freiwillig hatte er sich im Halbschlaf durch die vergangenen drei Staffeln gequält, hatte sich aber damals des Öfteren mit der Aussage: „Mein Gott ist die Frau doof“, erst recht in seinen Schlaf versenkt. Das Blatt hatte sich gewendet.

Diversifikation, offensichtlich nicht nur ein Begriff in der Finanzwelt beim Aufbau eines Kundenportefeuilles, sondern auch die Strategie von RTL, die bei der Auswahl der Kandidaten ganz oben auf der Liste rangiert haben muss. Wir hätten da die Exemplare Alphatier: muskulös, adrett verpackt, mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen, namens Aurelio und Pascal (und ja liebe Männer, lassen wir jetzt den „Diskriminierungs-Fünfer“ gerade sein, denn Ihr sprecht schliesslich auch von guten Fahrgestellen und heissen Öfen).

Ganz hoch im Kurs bei der „Bachelorette“ scheinen auch die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkenden Kerle, die mit Präsenten versuchten zu überzeugen: der Känguruüberbringer Maik, der Sternschnuppenmann Steffen und Lupenüberreicher Simon. Die Klischeebox hält aber auch polarisierende Exemplare wie Tim, Cornelis oder den ultra witzigen Manuel, bereit. Den Niedlichkeitsfaktor nicht absprechen kann man dem schüchternen Marvin, Anil mit den Hosenträgern und natürlich Luke, dem es buchstäblich die Sprache verschlagen hat. In den Topf der ausgewogenen Mischung fallen witzigerweise die beiden Thomas’s und als Playboys abstempeln kann man getrost Christian und Andreas. Auch wenn dieses Schubladendenken absolut unartig ist, verleitet die Sendung automatisch dazu.

Eines hatten jedoch alle Kerle gemeinsam: weisse Zähne, dass man wirklich Angst haben muss, die armen Typen wurden vor Aufzeichnungsbeginn Kopf voran in ein Bleichbad getunkt. Schön anzusehen war es für uns Frauen, wie Männer genauso von der Nervosität getrieben den Namen der sympathischen Anna in der hintersten Ecke ihres Gehirns vergessen hatten, und noch herrlicher, wie unglaublich authentisch sie alle nach einem Bier lechzten. „Ich brauche Alkohol“, war der vorherrschende Ton auf der Terrasse.

Den absoluten Glücksgriff jedoch ist RTL mit der natürlich wirkenden Anna gelungen. Es wäre ihr zu gönnen, dass die Reise nach Portugal nicht der Anfang einer gefühlstechnischen Katastrophe ist und sie zwischen Kameras und „Zicken“ ihren Herzbuben findet. Wir sind gespannt!