Jeder Zuschauer hat damit gerechnet, denn der obligatorische „Überraschungsbesuch“ gehört einfach zu jeder Staffel. Bei den Weibern stand die Villa jeweils innert Sekunden Kopf, ein wenig Rouge auf die Wangen getupft, das widerspenstige Haar per Pferdeschwanz gebändigt und die Chose von wildem Gekreische untermauert. Bei den Kerlen hingegen präsentierte sich ein komplett anderes Bild. Abgeklärt und ziemlich unspektakulär wurde die „Bachelorette“ in Empfang genommen. Lediglich Steffen bildete den Farbtupfer an besagtem Morgen. In der Panik kreischend durch die Fluten des Pools gekämpft, sich das T-Shirt rasch übergestreift, um die blonde Schönheit mit versteckten Speckröllchen begrüssen zu können. Dieses authentische Verhalten liess die wirklich kaum sichtbaren Extragramm auf den Rippen selbst vor der Mattscheibe verschwinden.

In Sachen Sixpack hat RTL in der Tat unglaubliche Geschütze aufgefahren. „Man sehe sich einmal diese Mannsbilder mit ihren Astralkörpern genau an“, seufzte ich. Der lapidare Kommentar des Herrn im Hause hätte bestimmt gelautet: „Sixpack, das ist doch nichts mehr wert. Heute müssten wir Männer Eightpack vorweisen.“ Sei es drum, ich werde nächsten Mittwoch umso genauer hinsehen. Das peinliche Speeddating überstanden, wirbelte der Hamburger Tommy indessen Tausende Frage in meinem Kopf auf. Eingebrannt wirkten die Zornesfalten zwischen seinen Augen, und er war so angespannt wie die Sattelfeder meines alten Mopeds bei der erzwungenen Kuschelnummer zwischen Sandkörnern. Ein Jammer für die Zuschauer, dass sich diese Zweisamkeit nicht von ganz allein ergeben hat.

Zu meinem persönlichen Nervfaktor an der „Bachelorette“, auch wenn dies aktuell noch Jammern auf hohem Niveau bedeutet, könnten eindeutig Annas Sprüche: «Ich mag DIES total an dir und ich liebe DAS an dir», werden. Sie huldigt die zugegeben verwegen dichten, sexy Haare von Tommy, dass es an der Peinlichkeitsgrenze nagt. Sie mag total die Brille von Luke, und was macht der? Anstatt sich das Gestell auf den Nasenrücken zu setzen, wo es offensichtlich nach einem solchen Kompliment hingehört, schenkt er ihr seine Sehhilfe. Am liebsten hätte ich in die Röhre gegriffen, den Guten bei den Schultern gepackt und einmal ordentlich durchgeschüttelt, weil er es einfach total verpeilt, nicht begriffen hat. Himmel, oder gehört er etwa zu jener eitlen Garde, die Nerdbrille mit Fensterglas trägt, weil es gerade angesagt ist? Ich hoffe nicht. Stattdessen male ich mir in Gedanken aus, wie Luke in der nächsten Folge inmitten der Horde mit zusammen gekniffenen Augen den Brief von Anna tollpatschig vorliest. Oder noch besser, beim nächsten Actionabenteuer einer seiner Rivalen aus Distanz mit der Angebeteten verwechselt und anschmachtet.

Ich kann mir nicht helfen, aber Aurelio ist mir unheimlich und suspekt zugleich. Wenn seine widerliche Portion Selbstvertrauen noch mehr Platz auf meiner Bilddiagonalen einnimmt, werde ich bald gegen den Würgereflex ankämpfen müssen. Kriegt man eine Lady echt mit dieser Masche rum: «Schon seltsam, beide in Schwarz.» Ausserdem hätte ich erwartet, dass gerade ein Typ Mann mit jenem Format, das er vorgibt zu besitzen, folgende Aktion nicht nötig hat. Den Känguruüberbringer Maik hat er mit seinen Raubtiersprüchen nach der Zimmeraufteilung ausgeschlossen wie ein pubertierendes Mädchen. Wo wir gleich beim Thema wären. Mitreissende Musik und die Anwesenheit einer wunderschönen Frau, sind nicht gleichzusetzen mit der Selbstbedienung im Baumarkt, das musste auch Maik erfahren. Ich hätte statt der merkwürdigen Tanzeinlage ja lieber Cornelis als vermeintlichen Hip-Hopper die Hüften schwingen sehen. Was nicht ist, kann noch werden.

Was mich gleich zur Analyse der Basecaps führt. In der ersten Folge eindeutig das Markenzeichen von Cornelis, wimmelte es plötzlich nur so von diesen Dingern. Zugegeben, es sieht stylisch, lässig, unbeschwert, gekoppelt mit einer Prise Bad-Boy, zum Anbeissen aus. Hoffentlich behält die „Bachelorette“ zwischen lauter nackten Oberkörpern und Basecaps den Überblick über ihre Lämmerherde. Leider überrascht die Vergabe einer einzelnen Rose noch vor der dramatischen Nacht längst nicht mehr. Viel spektakulärer wäre ein Gruppenausflug, wo Anna ihren Mann steht und einem Kandidaten im Voraus verkündet, dass er sich gar nicht erst schick machen braucht.

Irritiert habe ich in der letzten Viertelstunde die vielen glänzend roten Äuglein der Herren registriert. Diese sind aber vermutlich mehr dem Alkohol und den Kippen zuzuschreiben als der Enttäuschung darüber, vielleicht keine Rose zu ergattern. Da Anna bereits in der zweiten Episode Tränchen verdrückt, frage ich mich, wie tief das Flennmeer werden wird, wenn sie die Kerle erst besser kennt und die dornlosen Rosen in der Schale immer weniger werden.