Leider hat die Qualität der Sendung in der fünften Folge enorm unter dem Radikalzusammenschnitt auf Sechzigminuten inklusive Werbung gelitten. Während dem Zuschauer mit jeder Folge gewisse Kandidaten ans Herz gewachsen sind, geizte die Produktion mit interessanten Details und Smalltalks, die die Kandidaten weiterhin in ein gutes Licht stellen. Wie ist es sonst zu erklären, dass der Hamburger Tommy eine Rose abgegrast hat, obwohl er kaum Sendeminuten auf der Mattscheibe abgekriegt hatte? Während die „Bachelorette“ bislang die Vergabe des entdornten Edelgestrüpps noch mit „Tommy schafft es einfach immer wieder, mich mit kleinen Details …“, kommentierte, wurde der Zuschauer dieses Mal in die Dunkelkammer verwiesen. Man musste schon ganz genau hinsehen, um Tommys beständigen Charme und Humor zu erkennen. Vielleicht hatte Anna noch immer daran zu knabbern, dass sie in der ersten Folge ihr erstes Einzeldate an Tommy vergeben und dieser sie nicht gleich geküsst hatte. So etwas kann natürlich für eine Frau auch Ansporn sein!

Derweil beim Gruppendate auf der Dachterrasse in Lissabon, vom Sprücheklopfer Manuel als „pornös“ bezeichnet, fristete der Quotentreiber Aurelio sein Dasein nach dem Motto: „Ich bin eine Insel.“ Ständig stand er nachdenklich mit dem Blick auf die Stadt in einer Ecke, enthielt sich sämtlichen Gesprächen, dem kumpelhaften Gegröle und verweigerte sogar das obligate Sektchen in der nostalgischen Strassenbahn mit dem Spruch: „Ich will klar bleiben.“ Der Versuch, sich durch Abschottung weiterhin im Spiel zu halten, ist genauso missglückt wie seine Raubtierdompteurgeschichte, die er Annas kleiner Schwester in der Nacht der Rosen aufs Auge gedrückt hat. Endlich ging er leer aus und die Zuschauer hat es gefreut.

Das unangefochtene Highlight der Sendung bildete jedoch der süss verpeilte Luke. Mit Marvin in der Villa zurückgelassen, während die anderen sich beim Gruppendate in schiefen Tönen beim Karaoke versuchten, machte er schmerzhafte Bekanntschaft mit der Glasscheibe in der Villa. Sportlich nahm er Anlauf, sprintete los und krachte mit voller Wucht gegen die für ihn unsichtbare Macht. Fairerweise wurde die Szene dem Zuschauer noch ein zweites Mal in Zeitlupe serviert und strapazierte, so gemein es ist, die Lachmuskeln. Am liebsten hätte ich Luke in die Arme geschlossen und ihm höchst persönlich einen Eisbeutel auf die rote Rudolphnase gedrückt. Zu meinem Leidwesen haben ihm die Maskenbildner in der Nacht der Rosen die „männlichen“ Blessuren wegretuschiert und Nase wie Stirn dermassen schlecht mit Camouflage bearbeitet, dass er statt liebenswert blauer Flecken weisse aufwies. Leider hat er keine Rose mehr erhalten und wurde mit dem Prädikat: „Zu lieb“ von Anna abgewiesen.

Ich mochte Marvins vornehme Zurückhaltung auf Anhieb und die Tatsache, dass er über sich selbst lachen kann. Es erstaunte mich nicht, dass er den Abend mit Anna beim Einzeldate in malerischer Kulisse zwischen Freiluftbett, Pool und Kerzenlichtdinner verbringen konnte. Die Anspannung in ihm muss gewaltig gewesen sein, dass der Zuschauer, mal abgesehen vom romantischen Kuss und dem Kuscheln, kaum eine Silbe der Unterhaltung mitbekommen hat. Anna verstrickte sich unterdessen für mein Empfinden komplett in Widersprüche. Auf der einen Seite schwärmte sie, wie schön es gewesen sei, nur sie zwei allein, quasi in einer eigenen Welt, triezte ihn dann aber beim Frühstück mit der nervigen Frage, wie wohl die anderen Jungs im Haus später reagieren würden. Ich war kurz davor, den Stecker zu ziehen. Wie kann Frau, die in den Armen von solch einem Bild von Mann geschlafen hat, den Morgen danach mit solch unmöglichen Fragen tot schlagen? Seine Antwort liess mich lautlos Beifall klatschen: „Sollen die sich mal ihren Kopf machen. Ich kümmre mich nur um mich selbst. Ich glaube damit hab ich es schon schwer genug.“ Keine Sekunde gezweifelt habe ich an der Aufrichtigkeit Marvins. Er erklärte, dass er sich rund fünf Stunden lang einfach nur mit Anna unterhalten  hatte. Das Feld hat sich von sieben auf vier Kandidaten minimiert, und jetzt steht die Heimreise an. Es bleibt zu hoffen, dass die kommende Folge wieder etwas mehr Fleisch am Knochen hat.