„Ich habe die erste Lebenshälfte wohl langsam hinter mir.“ Dieser Spruch liegt bei meinen fünfunddreissig in greifbarer Nähe und wirkt nicht mehr so arg befremdlich, wie noch in den Zwanzigern. Jeweils daran erinnert werde ich auch im Dezember, wenn ich meinem strikt festgelegten Ritual folge. Übers Jahr gesammelte Erinnerungsstücke verstaue ich in einer Box. Zwischen Tagebüchern, Postkarten, Bierdeckeln, Zuckertütchen, Quittungen und alten Liebesbriefen verschwindet ein weiteres gelebtes Jahr, und ich ertappe mich dieses Jahr dabei, wie ich völlig besessen in Erinnerungen schwelge. Mir wird bewusst, dass meine Box eine wahre Fundgrube an gebrochenen Herzen und Männerleichen beinhaltet. Und darum, aus gegebenem Anlass, sehe ich mich verpflichtet, eine Abrechnung zu erstellen.

+(weiterlesen ...)