Es gibt viele Leidenschaften, die uns Frauen nachgesagt werden und hie und da in einer Männerrunde der Belustigung dienen. Meistens rangieren Schuhticks ganz oben auf der Liste, dicht gefolgt von Schminkutensilien, Kleidern und Handtaschen. Ich habe immer stolz berichtet, ich würde weder das Eine noch das Andere sammeln, schon gar nicht vergöttern, geschweige denn, lieben. «Tochter du schlägst eindeutig Tante Trudi nach, die hatte auch immer so viele Handtaschen », meinte mein Papi vor rund 12 Jahren und grinste frech.

Ab diesem Tag war der Begriff «Tanti-Täschli» geboren und ich musste meine Leidenschaft für die stetigen Begleiter an Arm und Schulter eingestehen. Beim Kauf achtete ich immer penibel auf das «Innenleben» meiner Errungenschaften. Für das Natel, Portemonnaie, Schminkzeug und den Kugelschreiber braucht es je ein separates Fach. Auch nicht zu verachten ist ein Aussenfach für «Sofort-ohne- Zeitverlust-zur-Hand-nehmbare» Gegenstände. So eine Tasche will schliesslich organisiert sein, ansonsten verhält es sich wie bei einem schwarzen Loch im Universum.

Man verstaut sein Hab und Gut darin und findet dieses nie wieder. Innert kurzer Zeit hatte ich «meine» Marke gefunden und ich war der Handtaschenindustrie hoffnungslos, unheilbar verfallen. Mit einer Einzimmerwohnung in Schwarz (Natel, Lippenpomade, kleine Agenda, Schlüsselbund, Kugelschreiber und Portemonnaie…) bin ich gestartet. Natürlich ging die Expansion auch an mir nicht spurlos vorüber, und schon bald musste eine schmucke Dreizimmerwohnung in edlem Blau her (…plus Puder, Taschenbuch, Nastücher und mp3-Player …).

Ich hatte Blut geleckt, also durfte das Treiben heiter weitergehen. Der Kauf eines Prachtexemplar im Giraffenlook (… plus Klatschheft, Zeitung, Sonnenbrille, Knirps, Haarspange und Petfläschli…). Vor zwei Jahren dann musste die Giraffe in die Flickwerkstatt, ich hatte ihr den Hals ausgerissen und es bot sich mir die Gelegenheit in eine Villa zu investieren. Ein dezenter Traum in Beige mit schön viel Stauraum (…plus Sonnencreme, Haarbürste, Turnschuhe, Literflasche, Paschmina und noch ganz viel Platz). Ich konnte mein neues Heim nicht lange geniessen, zwei Monate nach dem Kauf machte sich mein Rücken bemerkbar. Der Chiropraktor machte mich verlegen darauf aufmerksam, auch ein schöner Rucksack am Rücken könne entzücken.

Gesagt, getan ich sattelte auf die Trekkingfront um. Dies ist nun zwei Jahre her und wenn ich meine Sammlung betrachte bin ich froh, nicht im Preissegment der Städtereisen, sondern der Preisklasse «Nachtessen mit Wein für zwei Personen» eingekauft zu haben. Vermehrt wähle ich in letzter Zeit das Programm Handwäsche an, um meine Schals, Paschminas und Foulards sauber zu kriegen, es scheint sich ein neuer Tick eingeschlichen zu haben.

Meinem Rücken geht es mittlerweile wieder gut und vor zwei Wochen habe ich in Zürich beim Bummeln das Modell «Kriegsschiff» entdeckt. Es hätte sicher genug Platz um ein Wochenende ohne Gepäck durchzukommen. Sobald der Frühling naht, werde ich mir diese Steigerung gönnen. Schliesslich sammelt mein Papi Schrauben und Werkzeug und ich hab ja Tante Trudi, die hat mir das Handtaschen-Gen vererbt.

(Angela Suter, publiziert in: Anzeiger für das Oberfreiamt, No. 11, 19.3.2010)