Grundsätzlich mag ich Shopping, solange es sich dabei um Handtaschen, Kosmetik und andere nicht essbare Gegenstände handelt. Beim Lebensmittel-Wocheneinkauf hingegen, schnellt mein Blutdruck regelmässig in die Höhe und ich sehe mich mit unzähligen Baustellen konfrontiert. Den Anfang bildet jeweils das Fassen eines militärisch aufgereihten „Chärrelis“.

Die geräderten Einkaufshelfer haben ja bekanntlich verschiedene Preise. Einfränkler, Zweifränkler oder beides. Meistens habe ich den richtigen Batzen um den Wagen aus der Schlange zu befreien nicht im Portemonnaie, oder mein Münzfach im Auto hat ihn gefressen. Die meisten „Chärreli“ würden sowieso in die Autogarage zum Spureinstellen gehören, wiese kann man die nicht einfach mit „Zwänzgerli“ bezahlen?

„Zwänzgerli“ habe ich nämlich immer vorrätig, oder hie und da ein verirrtes in der Handtasche. Die Königin der Blutdruckerhöhung befindet sich jeweils gleich zu Beginn des Einkaufs, jedenfalls in schätzungsweise 90 Prozent der Geschäfte, die Gemüse- und Früchteabteilung. Ob Salate, Pfirsiche, Avocados, Broccolis oder Champignons, bei mir landen sehr viele davon im Stahlkorb.

Mit Schweissperlen auf der Stirn staple ich verzweifelt in bester Pyramidenform die Plastiktüten übereinander, damit die nachfolgenden Einkäufe nicht alles zu einem grossen Matschhaufen plattdrücken. An alle Shopplaner und Marketingfachleute: Warum in aller Welt ist die Gemüseabteilung die erste Station, wenn praktisch alle nachfolgenden Gegenstände mehr Gewicht haben? Die Begründung: Damit das Gesunde zuerst und somit mehr davon eingekauft wird!

Erinnern sie sich an die Ernährungspyramide? Da steht dummerweise das Wasser an erster Stelle, dicht gefolgt vom Gemüse und den Früchten. Wieso treffe ich also nicht unzählige Wasserflaschen mit und ohne Kohlensäure auf den ersten Metern? Sie sehen, irgendwie ist der Erklärungsversuch nicht ganz „wasserdicht“. Ich tummle mich weiter zwischen den Gestellen und um mich aufzuheitern prangt ein „Kleingegenstandskörbchen“ am Ende des Wagens. Ich mag das graue unscheinbar wirkende Ding, denn es verleitet mich zum kauf einer neuen Wimperntusche.

Vor dieser Erfindung muss ich das klebrige Zeugs mühsam zwischen die Henkel der Milchpackung klemmen, damit es nicht durch das Stahlgitter in den Tod stürzt. Ich habe mich beruhigt und stehe an der Kasse, da geht der Film in die nächste Runde. Das Gemüse liegt schön oben, wenn ich jetzt der Reihe nach alles auf das Band lege, landet das Gemüse ganz unten im Auffangbecken und wird von dem runtersausenden azurblauen Waschmittel platt gemacht. Mit geschickten fingern und zackigen Bewegungen ziehe ich alles unter den Früchten hervor und lege es stolz auf das Band.

Wenn ich Glück habe, fällt meine Pyramide erst gegen Schluss wie bei einer kontrollierten Sprengung ein. Geschafft, oder doch nicht? Neusten Studien zufolge sind „Kartenzahler“ nicht langsamer als „Bargeldzahler“, trotzdem treffen Blickpfeile meinen Rücken wie eine Zielscheibe. Das freundliche Lächeln der Kassiererin entschädigt mich und ich gehe zum Lift, der nicht stecken bleibt und seinen Dienst gehorsam erledigt, ich schmunzle.

Angela Suter, Wocheneinkauf: erschien im Anzeiger für das Oberfreiamt